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Freeriders auf Reisen

Mit 68 Mann in den Dolomiten, Freeriders KochertalHofern Italien, Pfingsten 2011, der erste Urlaub in diesem Jahr steht vor der Tür. Was soll man tun, vielleicht nach Cran Canaria Badeurlaub ins all inklusive Hotel? Pauschal Urlaub, wenn man freiwillig zwischen überfrühstückten Bewegungsverweigerern in laut beschallten Pool Landschaften der täglichen Massenfütterung entgegendämmert und das die schönste Zeit des Jahres nennt. Für uns als aktive Bergsportler sieht das anders aus....

Wir möchten lieber die Stille, die Natur und die Berge genießen, anstatt schwitzend die UV Strahlung irgendeines Schwellenlandes zu tanken. Einfach mal ins Gras sitzen und die Seele baumeln lassen, anstelle gelangweilt die Inhaltsangabe der Sonnecreme Tube auswendig zu lernen. Mit der Idee der kollektiven Radsportbegeisterung auf einsamen Pfaden machen wir uns also an Pfingsten auf den Weg ins schöne Pustertal. Insgesamt 68 begeisterte Radfahrer hatten sich für dieses Abenteuer in die Teilnehmerliste eingetragen.
Am ersten Tag Ernüchterung. Regenverhangen hängen die Wolken über unserer Unterkunft. Egal wir haben gebucht, also geht es auch aufs Rad. Bereits bei der Abfahrt vom Haus, reißt der Himmel auf und sonniger Schein leuchtet auf unsere Strecke. Welch ein Glücksgefühl! Die Räder surren unter unserem Allerwertesten, wir schlendern auf unseren Bikes hinunter ins Pustertal. Bereits jetzt wische ich mir erste Freudentränen aus den Augen. Via St. Lorenzen fahren wir hinein ins Gadertal. Nach einer Stunde befinden wir uns am Aufstieg zum Campill Gipfel, 1.200 Höhenmeter am Stück nach oben, so die Ansage von unserem Guide Bruno. Während dieser durchtrainierte vorausfahrende Auskenner locker nach oben kurbelt, merke ich recht schnell, pauschal Urlaub in Cran Canaria wäre vielleicht eine gute Alternative gewesen. Wieder und wieder kommt eine Kehre, immer steiler geht es Bergauf. Den kleinsten Gang habe ich bereits vor einer Stunde eingelegt. Schweiß rennt über meine Stirn und tropft aufs Rad. Irgendwann nach vielen Höhenmetern treffen wir uns wieder. Die Gruppe findet an einem abgesperrten Weidezaun wieder zusammen. „Nur noch 200 Höhenmeter bis zum Astjoch (2103m)“ ruft mir Bruno schon von weitem entgegen, die anderen grinsen. Mein Lebenswille geht taumelnd zu Boden. Immer wieder bewegen wir uns oberhalb der Baumgrenze im Felsmasiv der DolomitenDie letzten 200 Hm also, wir befinden uns bereits seit längerem über der Baumgrenze. Schiebend geht es nun über eine Wiese, dünnes Gras, wie ein weicher vollgesogener Schwamm unter unseren Füßen. Ich fühle mich leer, kann nicht mehr, fange an unter meiner nassen Kleidung zu frieren. Nach einer Weile treffen wir wieder auf einen befestigten Wanderpfad. Schnell die Windjacke überziehen, noch einen Riegel essen. Links neben uns sehen wir das Gipfelkreuz der Campill Spitze. Der Wind bläst Wolken über das Joch.Schemenhaft Majestetisch sind umliegend die dreitausender der Dolomiten zu erkennen. Auf schmalen Kuhwegen geht es endlich wieder Bergab, hinunter auf 1.930 Meter bis zur Kreuzwiesenhütte. Dort angekommen treffen wir auf die Schüler Gruppe. Die ca. 13 bis 16 jährigen Jungs und Mädchen waren direkt mit Ihrem Führer, dem Friedl, aus dem Tal von Ehrenburg zur Hütte hochgefahren. Ohne abzusteigen haben Sie die anspruchsvolle Strecke bewältigt. Während sich bei uns Zuhause Passanten aufregen und über die Radler schimpfen, werden wir in den Dolomiten immer wieder durch begeisterte Zurufe von Wanderern angefeuert. Einige male müssen wir den Passanten erklären wer wir sind, wo wir herkommen und wie alt die Kinder sind….Zurück zur Hütte, ich bestelle mir angebratene Kartoffeln mit Spiegelei und dazu ein kühles Weizenbier. So bekommt der Körper wieder Kraft und der marode Blutkreislauf erholt sich. In diesemDie Top Sportler auf dem Weg hinauf zur Hütte, in 6 Tagen hat jeder 17.200 Höhenmeter auf dem Tacho, eine unglaubliche Leistung. Moment hören wir draußen vor der Hütte lautes Gejohle, unsere starke Bundesliga Staffel kommt wie eine wildgewordene Herde den Berg heruntergestürzt. Mit stehenden Hinterreifen geht es im Powerslide um die Ecke. So muss es ausgesehen haben, als Alibaba in den Kampf gezogen ist. Als sich die Staubwolke wieder legt, stehen die jungen Kämpfer vor uns. „Auf dem Tacho bereits 2.200 Höhenmeter“ ruft uns Laurin mit breitem Grinsen entgegen. Die Hütte füllt sich, die Farbe unserer Trikots dominiert.
Nach einer ausgiebigen Rast, verabschiedet sich die Meute wieder. Jede Gruppe fährt auf einem anderen Weg wieder hinunter ins Tal. Wir, die Genuss Gruppe, fahren über einen steinigen und selektiven Wanderpfad nach unten. Angespannt und hochkonzentriert fahren wir dem Tal entgegen. Vorbei an Kapellen, Wasserfällen und saftig grünen Almwiesen schlängeln wir uns ins Tal. Über Kiens geht es wieder hinauf zu unserem Basiscamp nach Hofern. Noch einmal ca. 300 Höhenmeter müssen überwunden werden. Nach und nach hinunter ins Tal auf felsigem Wanderweg.kommen die einzelnen Gruppen an unserer Unterkunft an. Die Cappuchino Gruppe, welche mit dem Rad im Tal bis Brixen und wieder zurück gefahren ist, warten schon auf uns. Auch die jüngsten der Kinder die „Powerflizer“springen bereits vergnügt in den Swimmingpool. Unten im Tal rollt nun auch die Bundesliga Truppe Richtung Tagesziel. Wie jeden Tag gibt es am Hausberg eine Bergwertung. Um Gewicht zu sparen, werden die Wasserflaschen bereits im Vorort Pfalzen bei voller Fahrt entleert. Die Ketten rasseln, laut hört man die Schaltgeräusche, die Kettenspringen wie wild über die Kettenräder. Die Fahrer stehen auf, jeder will nun der erste sein.Circa 5 Kilometer zieht sich der letzte Anstieg bis zu unserem Quartier, mit Höchstgeschwindigkeit kommt der ganze Pulk nach oben geflogen. Mit Beifall werden die Jungs vor dem Haus empfangen. Erschöpft stellen die Fahrer nach gesamt 3.070 Höhenmetern an diesem Tag ihr Rad an die Hauswand. Nach kurzer Ruhepause und Erstversorgung durch Getränke geht es unter die Dusche, schnell umziehen und ab zum Abendessen. Nach leckerem 3 Gänge Abendmenü treffen wir uns noch für nette Gespräche im Kaminzimmer, Erlebnisse werden ausgetauscht. Die Jüngeren sind bereits in Ihren Zimmern und chillen. Montags machen wir wegen schlechtem Wetter einen Ruhetag, am Abend gibt es einen lustigen Hüttenabend welcher seines gleichen sucht. Ab Dienstag ist das Wetter Super und wir genießen noch tolle Tage und viele weitere Höhenmeter in den Bergen. Wieder war aus einer Ursprungsidee Realität geworden. Eines ist klar, pauschal Urlaub ist was für andere. Tschüss Hofern, bis zum nächsten Jahr !

b i k e   y o u r   d r e a m
Freeriders Kochertal